Deutsch
FSJ für die Völkerverständigung in Europa
Nach dem Abitur war sie da – die Qual der Wahl. Bund, Zivildienst oder doch was ganz Eigenwilliges à la „Work & Travel“ im Ausland? Für mich persönlich war klar, es sollte etwas Neues sein, etwas, das mich auf den weiteren Lebensweg vorbereitet, mir neue Perspektiven aufzeigt und mich auf eigene Füße stellt. Zufällig stieß ich auf die Ausschreibung der Kreisau Initiative Berlin e.V. und wusste, dass es genau das ist, nach was ich gesucht hatte. Internationale Jugendarbeit in Polen mit dem Schwerpunkt der Völkerverständigung und das aus dem Bewusstsein des deutschen Widerstands gegen das nationalsozialistische Deutschland aus dem polnischen Krzyżowa/ Kreisau heraus. Eine tolle Idee, viel zu entdecken und viel Potential, persönlich an solchen Erfahrungen zu wachsen. Etwas ganz Neues also, mit dem ich zuvor wirklich nichts zu tun hatte. Es war ein mutiger Schritt, 500 Kilometer weit weg von Zuhause, das Zurücklassen von Familie und Freunden, ein ganz neues und persönlich sehr entscheidendes und prägendes Wagnis. Was mich erwarten sollte, ich konnte es nur schemenhaft umreißen. Klar, Büroarbeit war angekündigt, und so startete es auch erstmal. Diverse Botengänge, Hilfsarbeiten wie beispielsweise das Vorbereiten von Anträgen, Pflegen von Datenbanken und Organisatorisches jeglicher Art. Doch auch an Projekten nahm ich teil, unter anderem an „MICC School“ im Dezember 2009 und „Sport schlägt Brücken“. Es war ein tolles Erlebnis ein Projekt von Beginn an – also der theoretischen Planung und dem organisatorischen Aufwand – bis hin zum Projekt selbst und dessen Nachbereitung in Form von Evaluationen miterleben zu können. Eine tolle Erfahrung, vor allem diese sich entwickelnde Dynamik während eines Projektes. Zu Anfang noch zögernde Blicke und vages Herantasten an andere Teilnehmer, entwickelt es sich zu einer großen Gemeinschaft, die am Ende kaum noch von einander zu trennen sein scheinen. Es finden sich Freunde und gemeinsame Erinnerungen werden lange Zeit fortbestehen. Alle Scheuklappen fallen weg und man vergisst, ob man nun Deutscher, Pole oder Türke ist, dass man sich eventuell nur auf Englisch oder mithilfe von Händen und Füßen verständigen kann. Es scheint egal zu sein, denn was zählt, ist die Erkenntnis, nicht anders zu sein, sondern von scheinbar Fremden so akzeptiert zu werden, wie man ist. Ein schleichender, von den Jugendlichen selbst fast kaum bemerkter Integrationsprozess, der am Ende vor Augen führt, dass kein Befremdungsgefühl und keine gehegte Feindseligkeit gegenüber dem Anderen vorbestimmt ist, sondern lediglich nie hinterfragt worden ist. Es ist ein Erlebnisprozess, den die meisten in dieser Form bis dato nicht kannten und der ihnen vor Augen führt, dass ein Pole nicht zwingend ein notorischer Dieb und der Deutsche nicht unumstößlich ein Bier trinkender, Fußball vernarrter und überpünktlicher Mensch ist.
Es ist eine schöne Erfahrung, zu sehen, wie Vorurteile aktiv und unter Beteiligung aller abgebaut werden und gerade Jugendliche sich auf diesem Weg in einem unbeklemmten und erlebnisreichen Rahmen kennenlernen. Kreisau mag zwar vielen, wie zugegeben auch mir, zu Beginn ein unbekannter Ort sein, aber man merkt bereits nach Kurzem, warum dieser Ort so speziell und gerade für den internationalen Jugendaustausch so wertvoll ist. Eine einzigartige Atmosphäre, die aufgrund der historischen Bedeutung den Geist der Gemeinschaft und des Miteinanders symbolisiert und ihn erfolgreich an Jugendliche aus aller Welt, vor allem aber aus Polen und Deutschland, weitergeben zu scheint. Mit diesem Ziel vor Augen wird auch die Vergangenheit Kreisaus beleuchtet und man nimmt sich thematisch den Mitgliedern des Kreisauer Kreises, deren Pläne und zugrunde liegenden Idee der Werte und Moral an. So soll den Jugendlichen vor Augen geführt werden, was während des schlimmsten Kapitels des 20. Jahrhunderts geschehen ist, welche Form des Widerstand es genau hier an diesem einst deutschen und heute polnischen Ort gab und welche Lehren auch die Menschen heute und vor allem sie selbst aus dem Wirken des Kreisauer Kreises und dessen Grundprinzipien lernen können.
Den ersten Schritt haben sie bereits gewagt, wenn auch nicht bewusst gemerkt – denn sie haben sich auf eine Reise ins Ungewisse begeben, haben sich geöffnet, niemanden ausgeschlossen, sich nach und nach die Hände gereicht und sind sich vorurteilsfrei begegnet. Ganz im Sinne des Kreisauer Kreises, der Jugendbegegnungsstätte Kreisau und der Projektverantwortlichen.
Kreisau war und ist ein Ort der Begegnung, des Kennenlernens und der Integration.
Ich als Freiwilliger der Kreisau Initiative Berlin durfte miterleben, wie es ist, diesen Entwicklungs- und Erfahrungsprozess selbst zu durchlaufen, sowohl passiv als aktiv, und darüber hinaus den Projektverantwortlichen unterstützend zur Seite zu stehen.
Ich habe und durfte viel erleben, habe Freunde gefunden, viel Spaß gehabt, Multikulturalität erlebt und mich persönlich weiterentwickelt. Zu einem Großteil verdanke ich dies dem Konzept der internationalen Jugendarbeit, welches in Kreisau umgesetzt wird, da man dort vorurteilsfrei und vorbehaltlos Teil einer entstehenden Gemeinschaft wird, abseits des Alltags. Doch genau diese Erfahrungen sollte man nutzen, um den Alltag einerseits für sich selbst, als jedoch andererseits auch für den jeweils Anderen lebenswerter zu gestalten. Kreisau hat mir tolle Wege geboten, diese Möglichkeiten zu erfahren.
English
Volunteer for Mutual Understanding in Europe

- Jan-Niklas Mehler
After graduation, I was really spoilt for choice. Going to the military, doing a volunteer service or trying something really special like “work & travel” abroad? But I knew it should be something new, preparing myself for the upcoming period of my life, disclosing new perspectives and putting me upon my own feet. By accident I found out about the job advertisement for a volunteer service of the Kreisau Initiative Berlin e.V. And I knew this job was, what I had been looking for. So that was it, international youth work in Poland with the focus on international understanding, based on the awareness of the German resistance against the national socialist Germany, organized from the Polish village Krzyżowa /Kreisau. It is a truly great idea, offering many new experiences to make and much potential to personally grow from. Just something completely new and exciting.
For me personally, it was a courageous step, heading to a city 500 kilometres away from home and leaving good friends behind – a very essential and formative adventure. I could only dimly delineate what I would expect. Office work was told me, of course, and that was the exact way everything started - several errands, supportive work like the preparation of applications, the administration of databases and organizational work. But I was also given the chance to participate in projects like “Model International Criminal Court School” in December 2009 and “Sport builds bridges”. It was a great experience to be part of a project from the beginning – the theoretic planning and the organizational work – to the project itself and the following wrap-up through evaluation.
Really personally getting to know the developing dynamic within a project is just an aureate experience. The beginning mostly starts with hesitating glances and vague getting to know the others, but it turns into a large community, which in the end seems hardly separable. New friends are found and common memories will last long time. All retentions are put aside and one forgets whether the other one’s German, Polish or Turkish, one maybe can only communicate in English or if necessary only by the use of hands and feet. These retentions seems to be of no interest anymore, because the only aspect of matter is the realization not to be different, but being accepted by “strangers” the way someone is. A creeping, by the teenagers mostly not remarked process of integration, showing them no feeling of differentiation and no sort of hostility is predetermined. Normally, all those feelings were accepted and have never been critically questioned.
It’s a process of experience appearing to be new to the teenagers – showing a Pole’s not necessary a notorious thief and a German’s not irrevocable a beer drinking, footfall-loving and punctual sort of man.
It’s nice to see prejudices being actively reduced by the attendance of all teenagers. Therewith, they enable each other the opportunity to get to know and really encounter each other in an open-minded and adventurous environment.
Krzyżowa may is not a (well)-known place to everybody from the start, as it was to me, but after short time everyone notices, why this place is so special and valuable for the international youth exchange.
An unique atmosphere symbolizing the spirit of community and cooperation, which can be traced back to Krzyżowa’s historic significance, and creating the environment to successfully handing it down to teenangers from all over the world, but especially from Poland and Germany.
With this end in mind, Krzyżowa’s past is being discussed and the members of the Kreisau Circle, their plans and underlying concepts of values and moral are thematically being dealt with. Therewith the teenagers are being shown, what happened in the darkest chapter of the 20th century, which concrete form of resistance did exist in this – former German, today Polish – place and what today’s people and the teenagers themselves can learn from those principles of the Kreisau Circle.
But they already took the first step, without actually noticing – because they went on a journey to the unknown, opened up themselves, didn’t exclude anyone, reached out for each others’ hands and met each other without any reservation. That’s exactly the spirit of the Kreisau Circle, which is being tried to be realized by the youth meeting center Krzyżowa and the project leaders.
Krzyżowa was and is a place for encounter, of getting to know each other and integration. I was a volunteer for the Kreisau Initiative Berlin e.V. and had the opportunity to actively and passively experience this development process and process of experience myself and furthermore support the work of the project leaders. I could experience lots of things, found new friends, had a lot of fun, experienced multiculturalism and personally grew from those experiences. For the most part my thank goes to concept of the international youth work, which is being realized in Krzyżowa, because one’s integrated into a growing community without reservation, aside daily routine.
But it’s that experience, which should be used in order to turn everyday life into something more liveable – for oneself on the one hand, but moreover for other’s on the other hand.
Krzyżowa gave me great possibilities to experience how.










